8. April 2011

Die Schnecken

Rötlich dämmert es im Westen,
Und der laute Tag verklingt,
Nur dass auf den höchsten Ästen
Lieblich noch die Drossel singt.

Jetzt in dichtbelaubten Hecken,
Wo es still verborgen blieb,
Rüstet sich das Volk der Schnecken
für den nächtlichen Betrieb.

Tastend streckt sich ihr Gehörne,
Schwach nur ist das Augenlicht.
Dennoch schon aus weiter Ferne
Wittern sie ihr Leibgericht.

Schleimig, sämig, aber stete,
immer auf dem nächsten Pfad,
Finden sie die Gartenbeete
Mit dem schönsten Kopfsalat.

Hier vereint zu ernsten Dingen,
Bis zum Morgensonnenschein,
Nagen sie geheim und dringen
Tief ins grüne Herz hinein.

Darum braucht die Köchin Jettchen
Dieses Kraut nicht ohne Arg.
Sorgsam prüft sie jedes Blättchen,
Ob sich nichts darin verbarg.

Sie hat Furcht, den Zorn zu wecken
Ihres lieben gnädgen Herrn.
Kopfsalat, vermischt mit Schnecken,
Mag der alte Kern nicht gern.

Wilhelm Busch

Kommentare:

Clara hat gesagt…

Liebe Sanspareil -

Morgens entdecke ich im Garten regelmäßig 'ausgelutschte' Schneckenhäuschen - ich nehme an, es waren die Frösche. Mindestens zwei müssen sich, der Tonlage nach, bei uns aufhalten.

Trotzdem hätte ich auch lieber weniger von ihnen (den Schnecken). Besonders die niedrigen Marshmellow-Cannas schmecken ihnen...

Sanspareil hat gesagt…

Oh, mit Fröschen habe ich es nicht zu tun.
Ich finde außer Weinberg- und Nachtschnecken auch viele Gehäuse der Turmschnecken (Turritella communis). Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich anfangs dachte, diese leben auch in meinem Garten.

Liebe Grüße
Sigrid