7. April 2011

Rheum rhabarbarum, Rhubarbe, Rhabarber

Rhabarber ist offiziell Gemüse, kein Obst.

Unseren habe ich erst im Februar in den Ostgarten gepflanzt.

6.4.11


Die Chinesen nutzten Rhabarber bereits vor 3.000 Jahren, allerdings nicht als Gemüse oder Obst, sondern als Heilpflanze. Aus den Wurzeln des Steppengewächses stellten sie ein Mittel mit verdauungsfördernder  Wirkung her. Damals warf man die Stängel weg. Dass bis zum 19. Jahrhundert nur die Wurzel Bedeutung hatte, zeigt auch der lateinische Name "Rheum rhabarbarum", von dem sich die Bezeichnung „Rhabarber“ ableitet. Auf Deutsch heißt das schlicht "Wurzel der Barbaren". 

Der Name „Rharbarum“  bezieht sich auf den Fluss Rha (die heutige Wolga). An deren Ufern bauten seinerzeit die Tataren - in den Augen der alten Römer Barbaren - das Gewächs an. Noch im Mittelalter, wo man Darmträgheit und Pest mit Rhabarber zu behandeln versuchte, und bis ins 19. Jahrhundert hinein waren die Stangen Abfall. Erst spät entdeckte man, dass sie essbar sind und richtig gut schmecken können. 
Inzwischen hat sich das Ganze umgekehrt: Heute interessieren nur noch die Stangen, während die Wurzeln keine Bedeutung mehr haben. Damit wir den ersten jungen, zarten Rhabarber in den ersten Frühlingswochen genießen können, ziehen die Bauern bereits im Januar Folien über die Felder. Auf diese Weise entsteht eine Art natürliches Treibhaus; die Stangen sprießen so besonders schnell aus den überwinterten Wurzeln. 
Anfang März entfernt man die Folie und lässt die Stängel dicker wachsen. So jung geerntet schmecken sie mild-säuerlich, erst mit zunehmender Verweildauer auf den Feldern werden die Stangen dicker und dabei faseriger sowie saurer. Die Rhabarber-Sorten unterscheiden sich in der Hauptsache durch die Farbe ihrer Haut und des Fruchtfleisches: Grüne Stangen sind meist dicker und enthalten mehr Oxalsäure als die roten. 
Die Oxalsäure macht Rhabarber nicht nur sauer, sondern – zusammen mit einem hohen Kaliumgehalt – zum perfekten Entschlackungsmittel. Für Gesunde ist die Säure in normalen Mengen völlig unbedenklich, aufpassen muss allerdings, wer unter Gicht und Nierenerkrankungen leidet. 

Die jetzt startende Saison des Frühlingsboten ist übrigens ziemlich lang. Kurioserweise ist für dieses Stangengemüse genau wie beim Spargel am 24. Juni Schluss. Dann brauchen die Pflanzen eine Ruhephase, um sich für die Ernte im nächsten Jahr zu erholen. Bei aller Freude über das Frühjahrsgeschenk vom Feld brauchen wir also nichts zu überstürzen, sondern haben ungefähr drei Monate Zeit, daraus etwas Leckeres zu zaubern. Und dafür gibt es viele Möglichkeiten: Ob als Kompott, Konfitüre oder in Kuchen – Rhabarber gibt vielen süßen Gerichten eine raffiniert fein-säuerliche Note. Doch auch herzhaft-pikante Gerichte sind einen Versuch wert. Gerade der Geschmacks-Mix aus süß und sauer bietet sich als originelle und passende Begleitung für Fleisch oder Geflügel an. In Salaten schmeckt Rhabarber.

1 Kommentar:

Elisabeth Firsching hat gesagt…

Danke für diesen tollen Bericht, interessant, welche Zusammenhänge du da "ausgegraben" hast! Die Info ügber die Pflanze finde ich hilfreich, werde demnächst nach den rosa Stängeln Ausschau halten. In kleinen Mengen mag ich sie ganz gerne, z.B. als Ergänzung zu den Äpfeln im Apfelstrudel!
Liebe Grüße
Elisabeth