20. Mai 2011

Ruta graveolens - rue officinale - Weinraute

Wikipedia:

Die Weinraute zählt zu den Gewürzpflanzen und zu den pflanzlichen Heilmitteln, wird aber heute fast nur noch als dekorative Zierpflanze angebaut.

Die Weinraute ist ein Halbstrauch mit verholzenden unteren Zweigen, der Wuchshöhen von bis zu 1 m erreicht.
Die mattgelben, fast geruchlosen Blüten erscheinen von Juni bis August in reichblütigem trugdoldigen Blütenstand. Es werden kugelartige Kapselfrüchte mit einem Durchmesser von etwa 1 cm gebildet.

Im Sanspareil-Garten wächst sie im Linge-Kreis. Es wandert ab und zu mal ein Blatt in den Salat.




Aufgrund der ätherischen Öle findet die Weinraute in der Parfümindustrie Verwendung. Hält man das Laub gegen das Licht, erkennt man durchscheinende, nadelstichartige Löcher – die mit ätherischem Öl gefüllten Drüsen. Weinraute, in Küche oder Speisekammer aufgehängt, soll Ameisen fernhalten.

Die Blätter der Weinraute finden in der Herstellung von Grappa und ähnlichen Schnäpsen Verwendung, außerdem ist die Weinraute Hauptbestandteil des sogenannten Vierräuberessigs. Die Blätter der Weinraute kann man als Charaktergewürz der antiken römischen Küche ansehen. Für ein überliefertes Rezept siehe Moretum (Kräuterkäse). Die Blätter haben einen intensiven Geschmack, weswegen man sparsam damit umgehen muss. Die Würze wird zu verschiedenen Fleischgerichten (Wild, Hammel), zu Eiern, Fisch und Streichkäse, Salat, Soße, Gebäck und Kräuterbutter empfohlen. In Äthiopien werden auch die Weinrautenfrüchte getrocknet und als Gewürz verwendet. Wegen der abortiven Wirkung der Weinraute sollten Schwangere das Gewürz meiden.

Als Universalheilmittel sagte man der Weinraute nach, gegen alle Gifte, gegen Geister und Teufel und vor dem Bösen Blick zu schützen. Damit sich die Pflanze gut entwickelte und heilkräftig sei, sollte der Samen unter Flüchen und Verwünschungen ausgestreut werden; Jungpflänzchen hingegen hatte man zu stehlen.
In Italien wehrte das einfache Volk mit Rautenzweigen den bösen Blick ab. Auch tauchte man sie in Weihwasser und besprengte damit Schlafzimmer, in denen böse Geister die Liebesbeziehungen eines Ehepaares gestört hatten. Der Weinraute schrieb man auch zu, dass sie helfe, die Keuschheit zu bewahren oder sie zu schützen.
Im Schweizer Simmental wurde Weinraute gemeinsam mit Birnbrot oder Hutzelbrot, Salz und Eichenkohlen in ein Tuch gepackt, alles in ein Loch in der Türschwelle gelegt und dieses Loch mit einem Rechenzahn verstopft. Mit dieser Abfütterung versöhnte man alle Geister und Hexen, die als Gewürm im Schwellenholz hausen mussten.

Ruta, die Weinraute, wird in der Homöopathie oft bei Verletzungen der Knochen und bei Prellungen eingesetzt.

Sisah hat in ihrem Kommentar noch einen wichtigen Beitrag geschrieben:
"...Ergänzen möchte ich noch die phototoxische Wirkung der Laubblätter, mit der ich schon einige Erfahrungen sammeln durfte. Es entstehen brandblasenähnliche Hauterscheinungen bei bloßer Berührung der Laubblätter an einem sonnigen Tag!..."


Und ein Rezept für den Vierräuberessig war angefragt. Wikipedia liefert es:

Vierräuberessig (frz.: Vinaigre des quatre voleurs) ist ein Kräuterauszug auf Essigbasis. Zu diesen Kräutern gehört - laut einigen Quellen als wichtigstem Bestandteil - die Weinraute. Des Weiteren werden Wermutkraut, Rosmarin, Wacholderbeeren, Lavendel, Kalmuswurzel, Knoblauch, Zimt, Muskat, Gewürznelken, Pfefferminze, Engelwurz und Kampfer genannt. Einer Legende nach sollen sich vier Plünderer zur Zeit der Pest-Epidemie in Marseille (ab 1720) durch diese Tinktur vor Ansteckung geschützt haben, die sie ansonsten beim Ausrauben der Pestkranken und -toten hätten befürchten müssen. Neben dieser medizinischen Anwendung des Vierräuberessigs wird er gelegentlich auch in der (modernen) Küche eingesetzt.

Kommentare:

Sisah hat gesagt…

Interessant, was Du da zusammengetragen hast. Vierräuberessig-habe ich noch nie gehört. Gibt es da ein Rezept?
Ergänzen möchte ich noch die phototoxische Wirkung der Laubblätter, mit der ich schon einige Erfahrungen sammeln durfte. Es entstehen brandblasenähnliche Hauterscheinungen bei bloßer Berührung der LAubblätter an einem sonnigen Tag!
LG
Sisah

Sisah hat gesagt…

Danke für die Erklärung zum Vinaigre des quatre voleurs. Da stellt sich bei mir dann noch eine weitere Frage: In welchen Gerichten findet dieser außergewöhnliche Kräuterauszug denn noch Verwendung In Frankreich? Das sind ja sehr ausgewählte Zutaten, die man dazu braucht!
LG
Sisah