11. Juni 2011

Trockenheitsperioden

Überstehen die Pflanzen von Bio-Gärtnern und Bio-Landwirten Trockenheitsperioden leichter?

Unser Garten war bis vor 2 Jahren ein Getreidefeld. Bei der Anlage des Gartens fanden wir keine Regenwürmer und kaum Insekten vor. Langsam stellen sich diese Lebewesen in größerer Zahl bei ein. Es macht mir Hoffnung, dass der Garten mit Trockenheit künftig besser zurecht kommt.

In der Zeitschrift

"Gartenweden vom Juni 11" 
http://www.gartenweden.de/pdf/Gartenweden_Juni_11.pdf

las ich nachfolgendes Vorwort.


Editorial
In diesem Monat geht der Frühling dem Ende zu – die Sonne
beginnt wieder, sich in Richtung südliche Halbkugel zu
wenden. In diesem Frühling wurden wir wahrlich von der
Sonne gesegnet. Den meisten hat die geringe Regenmenge
sicher wenig ausgemacht, während viele Bauern über die
trockenen Böden stöhnen.
Die konventionellen Bauern haben damit wesentlich größere
Probleme als die biologisch wirtschaftenden Bauern. Der
Grund dafür ist vielfältig. Ein, durch die ganz schweren und
großen Landmaschinen, verdichteter Boden kann zum Beispiel
kaum noch Wasser speichern – das Wasser läuft einfach
ab. Das gilt in noch stärkerem Maße für einen Boden, der
durch Chemiedünger und Pflanzengifte so belastet ist, dass
er zudem fast keine Regenwürmer mehr enthält. Ein lockerer
Boden, der voller Regenwürmer ist, enthält viele Regenwurmgänge,
die große Mengen an Wasser speichern können.
Wenn es regnet, kann jeder Gang eines Regenwurmes bis zu
zehn Liter Wasser aufnehmen. Ein Boden mit vielen Regenwurmgängen
enthält also schon einmal ein Vielfaches mehr
an Wasser, als ein konventionell bearbeiteter Boden und er
ist in der Lage, durch die Kapillarwirkung des Bodens, dieses
bei Trockenheit an die Pflanzen abzugeben.
Ein weiterer Aspekt ist die Pflanzendichte in der konventionellen
Landwirtschaft. Dort werden die Kulturpflanzen, die
die großen Wasserschlucker sind, erheblich dichter gesät,
als es im biologischen Landbau der Fall ist. Jede der Kulturpflanzen
im konventionellen Landbau hat dadurch weniger
Boden zur Verfügung. Wenn auf einem Quadratmeter
Boden ein Drittel Kulturpflanzen mehr stehen, dann benötigen
sie auch ein Drittel mehr Wasser – sie stehen also in
größerer Konkurrenz zueinander um das Wasser. Ein weiterer
Aspekt ist der nackte Boden zwischen den einzelnen
Pflanzen auf dem Feld. Biobauern lassen einen Großteil der
bodendeckenden Beikräuter stehen. Diese sind in Bezug
aufs Wasser sehr genügsam und verhindern, dass die Sonne
den nackten Boden so schnell austrocknet.
Noch weniger Probleme mit der Trockenheit hat damit
allerdings der Kleingärtner der mulcht. Die Mulchmasse
verhindert sehr lange ein Austrocknen des Bodens. In
einer Welt, in der der Boden nicht ausgelaugt wird, und
in der die Natur in einem ausgewogenen Gleichgewicht
steht, sind längere Trockenzeiten also kein allzu großes
Problem und Trockenperioden gab es immer wieder einmal.
Für die Wildkräuter in Wald und Flur gab es bisher
überhaupt noch keine Trockenprobleme. Ihr Wasserbedarf
ist wesentlich geringer als der Wasserbedarf einer
hochgezüchteten Pflanze. So benötigt ein hochgezüchteter
Kohl erheblich mehr Wasser, als ein Wildkohl und
auch die alten Getreidesorten sind bedeutend genügsamer
als der heute angebaute Weizen.
Eine Landwirtschaft, die darauf ausgerichtet ist, all die
Menschen zu versorgen, die konzentriert in den Städten
leben, wird allerdings auf solche durstigen Hochleistungspflanzen
nicht verzichten können. Der Mensch macht sich
seine Probleme stets selber.
Meine Blumenwiese steht in voller Pracht und voller
Wildkräuter, obwohl ich sie bisher noch nicht einmal gegossen
habe. Mein Giersch lässt sich trotz Trockenheit
nicht davon abhalten, munter weiter zu sprießen und auch
die Topinambur wuchern, ohne, dass sie jemals zusätzliches
Wasser bekommen hätten. Für mich ist das aufs
Neue ein Zeichen, mich wieder mehr auf die alten, fast
vergessenen Pflanzen zu besinnen, die für unsere Vorfahren
die ganz normale Kost waren.
Wir wünschen Ihnen einen wunderschönen Sommeranfang.
Die GartenWEden-Gestalter

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